Pädagogische Grundlagen: Ziele und Methoden

Unter dem Begriff "Grundlagen" versteht die Pfadibewegung Schweiz die pädagogischen Ziele, welche ihren Aktivitäten "zu Grunde liegen", sowie die Methoden, mit welchen diese Ziele erreicht werden sollen. Die folgende Grafik soll die Struktur der Grundlagen verdeutlichen und im Überblick zeigen, wie die Pfadibewegung ihre Mitglieder ganzheitlich fördern will.

Den Kindern und Jugendlichen bietet die Pfadi einen sinnvollen und altersgerechten Ausgleich zur Schule. Das oberste Ziel dabei ist die ganzheitliche Förderung ihrer Entwicklung: In der Pfadi wachsen Kinder und Jugendliche zu verantwortungsvollen und engagierten Menschen heran.

Die Beziehungen

Unter ganzheitlicher Förderung versteht die Pfadibewegung die Förderung der fünf verschiedenen Beziehungen, die ein Mensch pflegt.
Für jede dieser Beziehungen hat die Pfadibewegung ein Ziel formuliert, dem sich ihre Mitglieder annähern sollen.

1. Die Beziehung zur Persönlichkeit:
selbstbewusst und selbstkritisch sein
Unser Ziel ist es, das Kinder und Jugendliche ihr Leben mit einem gesunden Selbstbewusstsein, Freude und Optimismus gestalten können. Dabei ist es wichtig, die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit zu fördern. Im Zentrum stehen, das Bilden einer eigenen Meinung, das Übernehmen von Verantwortung für sich selbst und für andere und das Hinterfragen des eigenen Handelns.
2. Die Beziehung zum Körper:
sich annehmen und sich ausdrücken
Unser Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen ihren Körper und ihre Gefühle schätzen können. In einem geschützten Rahmen lernen sie ihre körperlichen, seelischen und geistigen Möglichkeiten und Bedürfnisse kennen und damit umzugehen. Aus dieser Haltung heraus wächst die Achtung von Körper und Gefühlen der anderen Menschen.
3. Die Beziehung zu Mitmenschen:
anderen frei begegnen und sie respektieren
Unser Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche als aktive Mitglieder einer Gemeinschaft handeln und auf Aussenstehende respektvoll zugehen können. Das Leben in der Gemeinschaft beginnt mit der Kleingruppe, in welcher gelernt wird, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu fällen und diese zu akzeptieren, und reicht bis zur internationalen Völkergemeinschaft, welche durch Partnerschaftsprojekte mitgestaltet werden kann.
4. Die Beziehung zur Welt:
kreativ sein und umweltbewusst handeln
Unser Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche die Welt mit ihren Schönheiten und Geheimnissen entdecken können und dass der Schutz der Natur und der respektvolle Umgang mit den Ressourcen der Erde die Basis ihres Handelns sind. Gefördert wird das Leben mit einfachen Mitteln und Mut und Fantasie, um die eigene Umwelt immer wieder neu zu gestalten.
5. Die Beziehung zu Gott, spirituelle Beziehung:
offen sein und nachdenken
Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen durch ein moralisches und spirituelles Wertsystem zu unterstützen. Wir regen dazu an, eigene Werte zu entwickeln und dem eigenen Leben Sinn und Richtung zu geben. Für viele wird in dieser Auseinandersetzung Gott spürbar.
Wir respektieren die vielfältigen Formen, in welchen Menschen sich mit den Fragen nach Leben und Tod auseinandersetzten.

Unsere Methoden

Das Erreichen dieser fünf Ziele fördert die Pfadibewegung durch den Einsatz von sieben Methoden. Jene sind charakteristisch für die Pfadi und grenzen sie inhaltlich
von anderen Jugendverbänden ab.

Jede Pfadiaktivität lässt sich mindestens einer Beziehung und einer Methode zuordnen.

Persönlichen Fortschritt fördern
Auf ihrem Weg übernehmen Kinder und Jugendliche schrittweise Verantwortung, erwerben neue Fähigkeiten und setzen sich mit Werten auseinander. Sie stecken sich immer wieder neue Ziele und suchen nach Möglichkeiten, diese zu erreichen.
Gesetz und Versprechen
Gesetz und Versprechen sind Spielregeln für das Zusammenleben, weit über die Pfadizeit hinaus. Mit dem Versprechen bekunden die Mitglieder auf der ganzen Welt, nach diesem Gesetz zu leben.
Leben in der Gruppe
In einer Gruppe lernen Kinder auf einander Rücksicht zu nehmen, Konflikte zu lösen und Verantwortung zu tragen. Sie werden so auf das Leben in einer grösseren Gemeinschaft vorbereitet. Nach dem Grundsatz «Junge führen Junge» nehmen sie schon früh Leitungsaufgaben wahr.
Rituale und Traditionen
Das Leben in der Gruppe und der persönliche Fortschritt sind durch Rituale gekennzeichnet, welche die Entwicklungsschritte begleiten und bewusst machen.
Mitbestimmen und Verantwortung tragen
Von der Planung bis zur Auswertung werden die Aktivitäten jeder Stufe auf eine demokratische und mitbestimmende Art erarbeitet. Nach dem Grundsatz «learning by doing» gestalten die Pfadi ihre Aktivitäten selbst.
Draussen leben
Die Aktivitäten finden zu einem grossen Teil im Freien statt. Durch die Nähe zur Natur wachsen Verständnis und Engagement der Kinder und Jugendlichen für den Schutz von Natur und Umwelt. Im Pfadilager bietet sich die Natur als Lebensraum an, den es zu erforschen, zu entdecken und zu bestaunen gilt.
Spielen
Das Spiel wird zur Förderung von Kenntnissen und Fähigkeiten eingesetzt und ist dabei sowohl sportliche als auch gemeinschaftliche Aktivität. Durch die Einkleidung in ein Thema (z.B. Schotten, Kaminfeger, 1001 Nacht, etc.) werden zudem Fantasie und Kreativität gefördert.